11Okt/090

Danke!

Liebe Leser,

leider müssen wir euch mitteilen, dass wir unseren Blog zerobullshit.de bis
auf Weiteres stilllegen werden.
Warum? Dafür gibt es eine kurze und eine
lange Antwort. Die Kurze lautet: Wir finden nicht mehr regelmäßig Zeit dafür.
Die etwas Längere: Paul und Julian sind beide erfolgreich ins Berufsleben gestartet und bei Kommunikationsagenturen gelandet – wie könnte es auch anders sein.
Jonas hat gerade sein Masterstudium in London begonnen und sieht auf der Insel nur noch "Land unter", zumindest was seine freie Zeit betrifft.

Wir bedauern diese Entscheidung sehr, haben es uns damit aber nicht leicht gemacht.
Wir bedanken uns bei all unseren Lesern, euch, die uns einen so erfolgreichen Start beschert haben.
Es hat Spaß gemacht, zuzusehen, wie unsere Leserschaft rapide wuchs, sich mit euch Diskussionen zu liefern und zu erleben, wie ihr unsere Worte bei Twitter weiter verbreitet habt.

Vielen Dank!

Paul
Julian
Jonas

P.S.: Sollte hier in Zukunft wieder etwas passieren, werdet ihr es über Twitter als Erste erfahren.

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14Sep/090

Das Zeitungssterben

Der Spott des Internets ist groß. Zeitungen werden von jungen Leuten als veraltete Flaggschiffe gesehen - gelesen von Leuten die zu altmodisch sind um mit dem Internet umzugehen. ComedyCentral parodiert die Vorwürfe auf eine geniale und unglaublich lustige Art und Weise.

The Daily Show With Jon Stewart Mon - Thurs 11p / 10c
End Times
www.thedailyshow.com
Daily Show
Full Episodes
Political Humor Spinal Tap Performance

Natürlich verlieren die Zeitungen massiv Leser an das Internet. Aber natürlich hat auch eine Zeitung noch ihre Vorteile. Große Hintergrundberichte müssen nicht minutenaktuell sein - sondern gut recherchiert. Ein langer Text liest sich ausgedruckt immer noch besser als auf dem Bildschirm. Und trotzdem wird das Zeitungssterben weitergehen. Denn diese Vorteile alleine genügen nicht. eBooks werden langsam massenmarkttauglich und das Lesen auf einem solchen Gerät ist angenehm. Lange Berichte kann man dann theoretisch auch für solche Geräte schreiben. Und dann sind sie weg - die Vorteile der Zeitung. Sie wird dann nicht direkt aussterben aber ihr Tod wird kommen .. schleichend. Das eBook kann man zwar sicher auch in 20 Jahren noch nicht mit an den Pool nehmen - weil es dann wahrscheinlich direkt gestohlen wird - aber Disketten konnten auch nicht zerkratzt werden. CDs schon. Gebracht hat es den Disketten nichts - denn die Vorteile überwiegen.

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8Sep/090

Musiker warnen vor Rock Band

Rolling Stones´ Bill Wyman und Pink Floyd’s Nick Mason stehen dem aktuellen Trend zu Musikspielen eher kritisch gegenüber und warnen, dass die Leute nicht mehr lernen, wie man echte Instrumente bedient.

“Es ermutigt die Kinder nicht gerade zum lernen, das ist das Desaster”, so Wyman. “Es führt dazu, dass immer weniger Leute engagiert sind, ein Instrument richtig zu erlernen. Ich denke das ist wirklich schade und so bin ich nicht wirklich scharf auf solche Sachen.”

Mason beschreibt Spiele wie “Rock Band” und “Guitar Hero” als “interessante neue Entwicklungen”, fügt aber hinzu: “Es ärgert mich, meine Kinder dabei zuzusehen. Wenn sie mit ihren Gitarren-Übungen die selbe Zeit verbringen würden wie mit dem Erlernen der richtigen Tastenkombinationen, wären sie jetzt verdammt gut.”

Alles klar. Das ist jedoch nur die eine Seite der Argumentationskette. Bei diesen Spielen geht es im großen Teil darum schnell Spaß zu haben um beispielsweise mit Freunden auf Partys eine Runde zu spielen. Sicherlich gibt es auch viele Spieler, die sonst oft diese Games anwerfen. Aber das sind auch oft Leute die vorher wahrscheinlich gar keine Verbindung zu einem Instrument und Musik machen hatten. Sie werden so also überhaupt erst auf die Idee gebracht Musik zu machen. Von der Tatsache, dass ein richtiges Instrument deutlich teurer ist ganz zu Schweigen.

Noch lustiger ist jedoch, dass die Roling Stones selbst für Guitar Hero ihre Lieder zur Verfügung stellen. Das haben sie sicherlich nicht selbst entschieden, aber wenn sie so dagegen wären sollte man das wohl lieber bleiben lassen und den Jugendlichen Songtextbücher verkaufen. Nur die will wohl keiner .. (pb)

Quelle: http://www.play3.de/2009/09/08/musiker-warnen-vor-guitar-hero-rock-band-und-co/

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4Sep/093

Mach’s mit(!) Hitler im Bett

Hilfsorganisationen und gemeinnützige Projekte haben es in unserer egoistischen Konsumgesellschaft nicht leicht. Daher greifen immer mehr Organisationen zu drastischen Kampagnen.

So wie auch der Regenbogen e.V., der zu den Themen AIDS und HIV aufklärt.

Shock-Motive von Regenbogen e.V.

Shock-Motive von Regenbogen e.V.

Aids ist ein Massenmörder lautet das Thema der bald startenden Kampagne. Dort wo Dienstleister, Handelsmarken und  Unternehmen eine Grenze ziehen, legen NGOs erst richtig los. Regeln werden bewusst gebrochen, der gute Geschmack wird mit Füßen getreten, es wird mit Angst und Schrecken geworben – natürlich alles im Auftrag für den guten Zweck.

Sex-Szenen mit Saddam, Hitler oder Stalin...

...wo sollte Schluss sein?  Darf man um jeden Preis provozieren? Ist jedes Mittel recht? (jsb)


edit: Auch Spiegel Online hat sich mit einem ähnlichen Titel der Thematik angenommen.

veröffentlicht unter: Gesellschaft, Medien, Werbung 3 Kommentare
1Sep/097

Die Diskussion über staatlichen Journalismus trifft auf der Insel ein

Jetzt ist sie auch in GB angekommen: Die Diskussion darüber, ob gebührenfinanzierter Online-Journalismus okay ist oder nicht. Murdoch hat am Samstag öffentlich die BBC angegriffen. Und so kann es gut sein, dass auch in Deutschland die Diskussion wieder beginnt.

Die Standpunkte sind klar:
Die privaten Anbieter sind gegen den Aufbau von staatlich finanzierten journalistischen Angeboten im Web. Das umfasst sowohl eine gebührenfinanzierte Mediathek, wie auch durch Gebühren finanzierten Online-Journalismus. Die Begrüngung: Das mache den Markt kaputt. Und ganz unrecht haben sie nicht: Denn im Gegensatz zum TV- und Radiomarkt reichen die Werbeeinahmen online scheinbar nicht aus um eine Webangebot zu finanzieren. Wenn die Inhalte dann kostenpflichtig werden, so die Befürchtung, so werden die Leser zu anderen kostenlosen Onlineangeboten abspringen. Selbst wenn alle Medienhäuser online Geld verlangen: Die ARD darf das nicht. Und so gäbe es noch genügend kostenfreie journalistische Angebote im Netz.

Die ÖR kämpfen für den freien Journalismus im Netz. Begründet wird das mit der hohen Qualität die sie bieten können. Auch möchten ARD und ZDF die junge Zielgruppe wieder ansprechen.

Dabei geht es bei der Diskussion eigentlich um eine Grundsatzfrage, die es zu klären gilt:

Was ist wichtiger: Die Marktwirtschaft oder qualitativ hochwertiger und kostenloser Internet-Journalismus?

Entscheidet man sich für die Marktwirtschaft so heißt das: Kein ARD und ZDF (oder BBC) online. Eigentlich dürfte es gar keine ÖR-Sender geben - denn sie greifen mit ihren Gebühren unfair in den Markt ein. Andererseits haben nur Sie die Möglichkeit qualitativ hochwertigen und kostenlosen Online-Journalismus anzubieten. Über die Qualität von SpiegelOnline und anderen Auftritten gibt es zur Zeit viel Kritik (SPIEGELblog, BILDblog, Stefan Niggemeier, ... ). Die Qualität lässt spürbar nach und mit festen Abonnenten wären die Seiten wohl auf einen besseren Journalismus angewiesen (da sie diesen sonst nicht halten oder gar nicht erst gewinnen können).

Diese Frage gilt es also zu klären. Wenn Sie beantwortet ist, beantworten sich damit alle Fragen, die sich um dieses Thema drehen, von selbst. Eine Antwort auf die Frage habe ich allerdings nicht. Sie hat aktuell niemand - und das ist das eigentliche Problem. (pb)
Update: Jan weißt darauf hin, dass auch der Journalismus im Internet nicht kostenlos ist. Schließlich zahlen wir (fast) alle GEZ-Gebühren. An dem Inhalt ändert das jedoch nichts, denn durch die Onlineberichterstattung ändern sich die Gebühren die wir zahlen nicht. Insofern sind damit, im Gegensatz zu eventuellen Bezahlinhalten, keine Zusatzkosten verbunden.

veröffentlicht unter: Medien 7 Kommentare
31Aug/090

Business Punk – Das Magazin für psychotische Karrieristen

Wenn Patrick Bateman, der charismatische Protagonist aus American Psycho, der Frauen am liebsten in kleinen Stücken mochte, eine Zeitschrift abonniert hätte, dann wäre es (wenn es denn nach  Gruner + Jahr ginge) wohl das neue Magazin Business Punk gewesen. Blöderweise erscheint es dafür mehr als 25 Jahre zu spät.

business_punk

Quelle: Kress.de

Also musste es sich eine neue, zeitgemäße Zielgruppe suchen: „Die Leistungselite der Generation Xing“ wurde ausgemacht. Männer zwischen Mitte Zwanzig und Ende Dreißig, die für ihren Beruf brennen und in ihrer Freizeit die Extreme suchen – ganz wie der Untertitel der Zeitschrift „Work hard, Play hard“ vorgibt. Menschen, die sich von ihrer Umwelt nicht verstanden fühlen, denen die Gesellschaft nicht für ihren Beitrag dankt. Menschen, die nach einer Zuflucht suchen, nach Gleichgesinnten, nach einer Oase der akzeptierten amoralischen Opulenz.

Allerdings mag ich den Sinn und Erfolg des Magazins bezweifeln. Warum, das verrät der Titel des Magazins selbst. Denn Wikipedia erklärt „Punk“ wie folgt:

Das Wort Punk /pʌŋk/ […] bezeichnet allgemein etwas Niedriges, Minderwertiges, also Unsinn; auf Personen bezogen Anfänger, unerfahrene Person, Strolch, Kleinkrimineller, Landstreicher oder gar Abschaum, Dreck.

Und so würde die Zeitschrift selbst wahrscheinlich eher diejenigen anlocken, die sich gern zu dieser Xing-Elite zählen würden, die davon träumen, mit einer Yacht an der Côte D’azur anzulegen oder ein Mal mit Michael Schumacher Fußball zu spielen. Um diese Zielgruppe zu erreichen, ist der Preis von 6 Euro jedoch zu hoch. Auch dürfte es schwieriger werden, bei dieser Leserschaft die avisierten Anzeigenkunden zu gewinnen.

Mit Themen wie "Die Karriere ist wie ein Fußballspiel. Manchmal sind taktische Fouls unerlässlich" und "Mythos der sexy Sekretärin" werden die wahren High Performer aber wohl kaum erreicht werden. Warum sollten jene auch über diese Themen lesen, wenn ihnen jeden Morgen der Kaffe in High Heels von Beinen bis zum Himmel serviert wird und sie mit ausgefahrenen Ellenbogen in jedes Meeting gehen?

Doch bevor ich hier in eine Tirade verfalle, ende ich mit Bateman: ich muss noch einige Videos zurückbringen… (jsb)

27Aug/090

Sense me?

Google AdSense platziert seine Werbung öfter in ungünstigen Werbeumfeldern. Da freut sich weder der User, noch der Werber drüber.

Google AdSense platziert seine Werbung öfter in ungünstigen Werbeumfeldern. Da freut sich weder der User, noch der Werber drüber.

Seit über dreißig Jahren träumen Forscher in aller Welt vom Zeitalter der semantischen Systeme. Semantik, das ist die Wissenschaft über die Bedeutung von Zeichen oder anders ist es die Suche nach dem Erkennen von „Sinn“.
Bis heute entstammen viele der Forschungsergebnisse zur Semantik aus dem Forschungsfeld der Künstlichen Intelligenz. Als ein Teilprojekt davon kann man die Idee vom "semantischen Web“ betrachten, welches seit einigen Jahren die Runde macht. Ein anderes Buzz-Word dafür ist Web 3.0.

Aber inwiefern unterscheidet sich das semantische Netz von dem, was wir heute als Internet kennen? Und wofür brauchen wir das überhaupt? Nehmen wir Google als Beispiel.

Googles Suche basiert auf einzelnen Stichworten, den Keywords. Sucht man nach einem bestimmten Keyword oder einer Kombination aus Wörtern, durchsucht Google seinen Webseitenindex nach eben jenen Stichwörtern. Die Suchtreffer werden dann anhand eines ausgeklügelten Algorithmus, dem sogenannten Page Rank, nach ihrer jeweiligen Relevanz sortiert und ausgespuckt. So weit so gut.

Semantik setzt nun an dem Punkt an, dass es probiert den eigentlichen „Sinn“ unserer Suchanfrage zu verstehen. Der User würde dann also nicht mehr Eingaben à la „Wetter + Berlin“ machen, sondern seine Frage ganz natürlich formulieren, wie z.B. „Wie warm wird es morgen in Berlin?“ Als Antwort bekommt man dann nicht irgendeine Wettertabelle, sondern das Ergebnis „Morgen werden es 21 °C in Berlin“. So viel zur Theorie, zur großen Utopie von Web 3.0.

Aber neben der semantischen Suche, die den eigentlichen Sinn unserer Frage „versteht“ und darauf spezifische Antworten findet, gibt es auch noch die Vision von der semantischen Werbung.
Im Gegensatz zur vorherrschenden Keyword-orientierten Bannerschaltung, erfasst semantische Werbung auch den Kontext von Seiteninhalten. Und damit ist nicht nur gemeint, ob ein Artikel über ein Thema eher positiv oder negativ berichtet, sondern es können auch abstrahierte Inhalte zu diesem Thema abgeleitet werden. Wenn der Artikel also beschreibt, dass die Temperaturen der letzten Tage „die Nation zum Schwitzen gebracht haben“, könnte die Werbung eines Poolherstellers angezeigt werden. Und das, obwohl nicht ein Mal die Wörter „Wasser, Pool oder Schwimmbad“ gefallen sind.

Das ist also die Zukunft. Und warum diese Zukunft so unglaublich wichtig ist – besonders für die Werbewelt – das beweisen eindrucksvoll und erschütternd die gezeigten Google AdSense Anzeigen.
(js)

[via Business Insider]

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26Aug/090

Verbietet die BRAVO!

Aktion Kinder in Gefahr, so heißt eine Webseite der deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur (kurz: DVCK). Beim Lesen des Pagetitles denkt man es handelt sich dabei um eine Aktion gegen die Misshandlung von Kindern oder gegen Eltern, die ihre Kinder nicht angemessen versorgen und sich um sie kümmern. Sobald man dann jedoch den Text der Seite liest schreckt man auf:

Bravo - eine Welt von Unmoral

In was für einer Welt werden unsere Kinder und Enkel aufwachsen, wenn die Flut von Pornographie, Blasphemie und Unmoral in den Medien immer weiter ansteigt?

Zu viele in den Medien greifen rücksichtslos die moralischen Grundlagen unserer Kinder an.

Aber der Feind Nr. 1 der Kinder ist die Zeitschrift BRAVO, die jede Woche mit einer Auflagenstärke von 800.000 Exemplaren erscheint und schon von Kindern ab sechs Jahren gelesen wird, wie der Verlag in einer Presseerklärung vom 29. Juni 1999 selbst zugibt.

Es darf nicht so weitergehen, daß die Kindheit in Deutschland durch sogenannte “Jugendzeitschriften” wie BRAVO, die in Wahrheit erotische Blätter sind, zerstört wird.

Deshalb ist es so wichtig, daß Sie an dieser Initiative von „Kinder in Gefahr“
teilnehmen, und den Appell an Bundespräsident Köhler, Bundeskanzlerin Merkel und an die Bundesministerin für Jugend, unterzeichnen und an uns abschicken.

Liest man diesen Text ist eins klar: Die Verfasser scheinen keine Ahnung über die heutige Jugend zu haben. Viele Kinder, deren Eltern sich darum nicht kümmern, werden über die BRAVO aufgeklärt. Die Zeitschrift führt Jugendliche und ältere Kinder an das spätere Leben heran, in dem Sex nunmal (gerade in der Medienlandschaft) eine wichtige Rolle spielt. Gerade in den Zeiten des Internets ist eine Aufklärung wichtig. Die BRAVO hilft dabei.

Für die Klärung der Frage ob ein Medium nun wirklich pornografisch ist oder nicht, gibt es zum Glück neutrale Gremien. Und so wird diese Petition zum Glück niemals Gehör finden.

Die Webseite hat auch sonst noch viele "Perlen" zu bieten: Eine Petition gegen das Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren beispielsweise. In dem passenden Video wird dargelegt, dass "Kinder davor geschützt werden müssen" . Warum wird allerdings nicht gesagt. Natürlich nicht - denn außer Intoleranz gibt es keinen Grund. Viele Kinder werden von nur einem Elternteil großgezogen - warum dann nicht von zwei gleichgeschlechtlichen Partnern?

Natürlich soll auch der "Schutz christlicher Symbole" unterstützt werden. Jegliche Religionsverunglimpfung soll damit gestoppt werden (also auch jede Art von Satire).

Wirklich traurig, was für idiotische und unrealistische Ideen und Weltvorstellungen beim DVCK scheinbar existieren. Und der besteht aus 50.000 deutschen Christen. (pb)

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26Aug/090

Wenn Fans einem Publisher die PR erklären

Die Fans von Arcania (einem deutschen Rollenspiel, das just auf unbekannte Zeit verschoben wurde) erklären in einem offenen Fanbrief wie die PR eines Spielepublishers funktionieren sollte. Ein Armutszeugnis für den Publisher Jowood. Gerade bei einem Spiel wie Gothic, wo der Vorgänger viel zu früh und verbuggt auf den Markt geworfen wurde, wäre eine gute PR nötig um das Vertrauen in die Qualität des Titels zu stärken!

Sehr geehrte Damen und Herren,

als JoWooD ankündigte, dass es einen Nachfolger der Gothic-Serie geben wird, waren viele Fans begeistert. Andere hingegen waren misstrauisch, da sie mit Sorge an die vergangenen Spiele (vor allem Gothic 3 und Gothic 3: Götterdämmerung) dachten, welche zum Releasezeitpunkt kaum spielbar waren.
Umso mehr erwarteten die Fans von JoWooD sowohl mehr Einsatz, als auch mehr Motivation, ein gelungenes Spiel und einen würdigen Nachfolger der Gothic-Serie auf den Markt zu bringen. Dazu gehört aber nicht nur das Spiel selbst, sondern auch die Bindung zwischen JoWooD und den Fans, und wie sie vor dem Release eines Spieles ist.

Dabei bestehen derzeit folgende Probleme, die die Community am meisten bemängelt:

Screenshots von Arcania sind viel zu alt. In der Regel sind sie sechs Monate alt, bevor sie veröffentlicht werden. Sporadisch tauchen Screenshots auf, die einen sehr frühen Entwicklungsstand zeigen. Dabei ist es gerade für die Fans motivierend wenn sie sehen, dass die Entwicklung von Arcania voran kommt. Das ist aber mit einer verzögerten Freigabe von Screenshots nicht möglich.
Deshalb wünschen wir uns aktuelleres Bildmaterial.

Ein ähnliches Problem gab es auch bei einem Interview, das erst nach sechs Monaten veröffentlicht werden durfte (http://www.worldofgothic.de/gothic4/...=interview24_1).

Eine weitere Problematik der Screenshots ist, dass sie eine sehr schlechte Qualität aufweisen. In aller Regel haben sie eine zu geringe Auflösung, zeigen Schauplätze, die uninteressant wirken (hastig ausgewählt) und erzeugen kaum Vorfreude.
Statt ein Gebiet möglichst weit fertig zu stellen und dann ausführlich zu präsentieren, erhalten wir Bilder von unfertigen Orten in einer niedrigen Auflösung, welche dazu noch verwaschen wirken.
Um dieses Problem zu lösen, sollten die Screenshots gewissenhafter ausgewählt werden. Die Auflösung sollte hoch genug sein, damit man auch Details erkennen kann. Außerdem sollte verstärkt auf den Inhalt geachtet werden.
Ein Beispiel: Per Zufall wurde ein Screenshot im Internet gefunden, der ein Skelett als Gegner zeigt, obwohl es noch nicht bekannt war, dass Skelette im Spiel als Gegner anzutreffen sein werden. Damit war die Spannung sofort weg. Wir bekamen also nicht einmal von offizieller Seite einen Screenshot, sondern mussten ihn aus den Untiefen des Internets heraussuchen. Dabei hätte es viel besser kommen können: Zuerst zeigt man uns eine Konzeptzeichnung oder ein Artwork von dem Skelett. Ein paar Tage später sieht man dann in einen hochauflösenden Screenshot das Skelett deutlich. Danach könnte man noch ein Video zeigen, in dem der Held gegen das Skelett kämpft. Das ist spannend, denn durch abgestufte Informationen wird mehr Spannung aufgebaut. Das ist ein gutes Beispiel, was wir uns eigentlich wünschen.

Nicht nur Bilder, sondern auch das bisher veröffentlichte Videomaterial lassen fehlende Professionalität vermuten. Spielezeitschriften dürfen nur kurze Ausschnitte schief abfilmen. Man hat also Videos in schlechter Qualität, die manchmal die US-Fassung zeigen, oder das Video ruckelt. So kann man kein künftiges AAA-Game präsentieren.
Die Community wäre sehr glücklich, wenn man wenigstens eine Kamerafahrt durch eine fertige Gegend im Spiel bekommt, die weder von einem TV abgefilmt ist, noch aus der US-Fassung stammt oder bei der das Video ruckelt. Dies dürft doch im Bereich des Möglichen liegen, oder? Somit könnte man sehen, wie die Entwicklung voran schreitet.

Leider ist es auch so, dass das Spiel im Internet nicht sonderlich gut präsentiert wird. Die offizielle Website www.arcania-game.com ist optisch gelungen, aber noch auf dem Stand vom Mai 2009 und somit veraltet (in der Zwischenzeit gibt es viel mehr News auf anderen Internetseiten). Für die Gothic-Community bietet in den meisten Fällen lediglich das Fanforum von World-of-Gothic (http://forum.worldofplayers.de/forum...play.php?f=619) Informationen über Neuigkeiten. Das ist leider der Beweis, dass der Internetauftritt nicht seinen Zweck erfüllt. Dabei hätte die Website viel Potential: Die Veröffentlichung der Kurzgeschichten „Die gespaltene Jungfrau“ könnten ebenso dort eingebunden werden, als auch Entwicklerberichte oder ein aktueller Blog.
Die Internetauftritte müssen also aktuell gehalten werden, damit auch nicht Gothic- (bzw. Arcania-) Fans sich für den Titel begeistern oder darüber informieren können und keine inhaltslose Werbeplattform vorfinden.

Des Weiteren wünschen wir uns mehr Leidenschaft beim Marketing. Früher wurden selbst alte Screenshots noch mit viel Aufwand und einer eigenen Hintergrundgeschichte veröffentlicht (http://forum.jowood.com/showthread.php?t=162215). Aber diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Wir bekommen nur noch lieblos Bilder „hinterher geschmissen“, die meist sogar aus dritter Hand stammen oder nur über Umwege zur Community finden. Diesen werden dann so gut wie nie offiziell bestätigt.

Das größte Problem allerdings besteht in der Kommunikation zwischen JoWooD und den Fans!

Es ist zwar nicht bei jedem Publisher Standard, dass Fragen der Fans in Foren beantwortet werden. Aber dennoch denken wir, dass es sich JoWooD nicht leisten kann, die Fans anzuschweigen, zu ignorieren, und nach mehreren verbuggten Spielen auflaufen lässt, als wären sie nur eine Belustigung für JoWooD während der Mittagspause, in der man unzählige „Ich hasse JoWooD“-Threads liest. Denn genau so fühlen sich leider viele Käufer und Fans. Obwohl in vielen Foren negativ über JoWooD diskutiert wird, ändert sich dennoch wenig bzw. nichts.

Aktueller hingegen ist das Problem bei der Gamescom in Köln. Nach einem Gewinnspiel im World-of-Gothic- und JoWooD-Forum durften ausgewählte Mitglieder der Community an dem Stand von JoWooD die Präsentation und das Anspielen von Arcania begleiten und ratsuchenden Fans zur Seite stehen (http://forum.jowood.com/showpost.php...31&postcount=1). Aber wieder einmal kam es nicht so weit.
Da ich selbst nicht dort war, fasse ich kurz die Erlebnisse der anderen Präsentatoren zusammen:

Es wurde versprochen, dass man Arcania auf der Gamescom anspielen kann. Die ausgewählten Präsentatoren sollten den Messebesuchern für Rat und Tat zur Seite stehen. Dafür sollte die Fahrt sowie das Hotel gezahlt werden. Aber einige Präsentatoren brauchten das Geld vor Antritt der Fahrt. Das Skandalöse daran ist aber, dass einige es bis heute nicht erhalten haben.

Aus bisher nicht näher genannten Gründen wurde die öffentliche Präsentation erst sehr spät abgesagt. Dies hätte man den Präsentatoren viel früher mitteilen müssen, womit man auch unnötigen Stress hätte vermeiden können.

Es gab nur noch eine nicht-öffentliche Präsentation im Business-Bereich für Reporter und eine Vorstellung für die Präsentatoren – als Entschädigung für das ausgefallene Programm. Aber der Großteil von ihnen kam nicht in den Business-Bereich, da JoWooD die notwendigen Ausweise nicht vor dem Bereich verteilte, sondern innen. 3 von 10 Präsentatoren haben es nur bis zum JoWooD-Stand geschafft.
Leider war die Kommunikation nicht gut organisiert, so dass man nicht wusste, wo man seinen Ausweis bekommt. JoWooD kam auch an seine Ausweise. Wieso dann nicht die Präsentatoren?

In der Hoffnung, ein qualitativ hochwertiges Spiel zu bekommen, wurden wir des öfteren enttäuscht. Wir haben Jahre lang mit Community-Patches aus Gothic 3 das gemacht, was wir eigentlich bereits beim Kauf erwartet hätten. Selbst Top-Titel wie „Crysis“ haben nicht solch eine starke Community. Wir haben unsere Hoffnung in Götterdämmerung gelegt und warten auch schon seit einem dreiviertel Jahr auf den Patch, der das Game spielbar machen soll.
Nach all dem was wir JoWooD gegeben haben, haben wir, die Käufer und Fans, nun auch ein Recht auf Wünsche. Ein gutes Marketing mit besserer Fan-Betreuung ist in unseren Augen nicht zu viel verlangt.

Ich hoffe, sie nehmen den Aufschrei der Arcania- und Gothic-Community wahr und bereiten uns demnächst z. B. mit einem neuen (und vor allem besseren) Marketing-Konzept mehr Freude, als es bis jetzt der Fall war.

Zu guter Letzt möchten wir aber noch sagen, dass dieser Brief nicht gedacht ist, um JoWooDs Fehler zur Schau zu stellen oder jemanden schlecht zu machen. Dieser Brief soll JoWooD wach rütteln, da sich die Community nun eine bessere Informationspolitik wünscht, als dies in der Vergangenheit der Fall war. Mehr Offenheit im gemeinsamen Umgang ist unser wichtigstes Anliegen.

Quelle: http://forum.worldofplayers.de/forum/showthread.php?t=662961
(pb)

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25Aug/090

Die Armutsindustrie

Gestern Abend lief im WDR (die Wiederholung) einer Reportage über die Ausbeutung von Staatsmitteln, um Arbeitslose mit einem Beruf zu beschäftigen. Sie trägt den Titel "Die Armutsindustrie".

Die Kritik beginnt mit einem ehemaligen Kraftfahrer, der in Form eines Praktikums als Kartonpacker arbeitete. Der Betrieb, der ihn so einstellt, bekommt dafür einen Zuschuss vom Staat. Die Kritik: Der ehemalige Kraftfahrer würde dort gar nichts lernen sondern nur als billige Arbeitskraft missbraucht. Das ist die eine (und korrekte) Seite dieses Falls - und ich stimme auch mit der Kritik überein. Allerdings sollte die Sache von beiden Seiten beleuchtet werden: Der Kraftfahrer kann weder lesen noch schreiben. Er ist dort, weil er sonst keine andere Arbeit findet und nicht weil er dazu gezwungen wird. Diese Maßnahme hält ihn also aktiv und ist damit deutlich sinnvoller als die Alternative: Zu Hause sitzen.

Die Reportage stellt auch die Frage: Was ist an einer Herstellung eines Trampolins gemeinnützig? Diese Frage zieht sich durch den kompletten Beitrag. Auf die Idee, dass nicht die Herstellung, sondern die Beschäftigung von Arbeitslosen und die so geschende Aktivhaltung das Gemeinnützige ist, kommt sie nicht.

Ebenfalls kritisiert wird die DEKRA. Die betreibt eine, meiner Meinung nach sehr tolle, Einrichtung in der Sie verschiedene Services anbietet. Dort arbeiten nur Arbeitslose und alles ist gemeinnützig. So wird beispielsweise Spielzeug für Kinder aufbearbeitet. Auch wenn man sich über den eigentlichen Sinn der Arbeit (tagelanges Zusammensetzen von Puzzelteilen) streiten kann, so gilt auch hier: Die Alternative wäre Arbeitslosigkeit. Und durch solch eine gemeinnützige Einrichtung kommen die Arbeitslosen wieder in den Alltag eines Berufslebens und können beweisen, dass Sie in der Lage sind diesen zu meistern. Die Tatsache, dass die DEKRA das nicht uneigennützig, sondern im Rahmen von CSR macht, wird kritisiert. Wieso? Das tut jedes Unternehmen - und es ändert nichts an der guten Sache. Das man bei einem jungen Menschen der schon ein Jahr arbeitslos war, und seine Lehre abgebrochen hat, eine "Eignungsfeststellung" durchführt ist auch wenig verwerflich. Denn sein Lebenslauf spricht nicht gerade für Zuverlässigkeit - und so wird ihm durch die Einrichtung eine Möglichkeit geboten, diese zu beweisen. Er und die ARD sehen das natürlich anders.

Die Reportage hat in vielen Punkten Recht, und spricht ein wichtiges Thema an. Sie beleuchtet dabei aber viel zu einseitig und verliert sich in dem Selbstmittleid der Leute, über die sie berichtet. (pb)

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