Chinas Rechnung mit der Niere

Organhandel in China - (K)ein religiöses Phänomen?
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International gehen davon aus, dass China für rund 70% der weltweiten jährlichen Hinrichtungen aufkommt. Und die Dunkelziffer soll noch weitaus höher liegen. In absoluten Zahlen sind das jährlich mehrere tausend Menschen.
Vor zwei Wochen hat das chinesische Gesundheitsministerium nun erstmalig offiziell zugegeben, was vielen unlängst schon bekannt war: 2/3 aller in der Volksrepublik China transplantierter Spendeorgane stammen demnach von exekutierten Kriminellen, wie die „China Daily“ diesen August berichtete. Die tatsächliche Quote soll Schätzungen zu Folge bei über 90% liegen.
Seit Jahren floriert in China der Schwarzhandel mit Organen, die für viel Geld auch an Interessenten im nahe gelegenen Ausland (Korea, Japan) oder etwas entfernter (Kanada, USA) verkauft werden.
Jährlich warten 1,5 Millionen Chinesen auf eine Organtransplantation. Aber in den letzten sechs Jahren haben sich laut offiziellen Angaben nur 130 Chinesen als freiwillige Spender registrieren lassen. Das entspricht rund 0,0000001% der Bevölkerung.
Legt man die zeitliche Kurve von Exekutionen und die von Transplantationen in China übereinander, verschmelzen diese fast zu einer gemeinsamen Linie. Mathematiker sprechen in diesem Fall von Deckungsgleichheit. "Hinrichtung auf Bestellung", wie Cicero kommentierte. Dabei spricht sich die Kommunistische Partei Chinas offiziell nur für solche Organspenden aus, die auch auf Freiwilligkeit basieren. Und das kann schließlich auch bei Kriminellen der Fall sein. Man kann auch argumentieren, dass durch diese Praktik immerhin das Leben von knapp 10.000 Menschen jährlich gerettet oder zumindest erleichtert wird. Selbst bei diesen Zahlen stehen jeder Transplantation, 149 nicht-realisierbare Transplantationen gegenüber.
Aber tatsächlich würden diese beiden Linien wahrscheinlich eine regelmäßige Reihe von Ausschlägen aufweisen, denn in China gibt es mehr Transplantationen als Exekutionen. Woher die übrigen Organe stammen, ist spätestens seit dem Enthüllungsreport eines chinesischen Journalisten vor drei Jahren deutlich geworden. Hier ein Auszug von der IFJC:
Konzentrationslager mit 6.000 Falun Gong-Praktizierenden
Herr Yuan hält die von einem chinesischen Journalisten dieser Tage enthüllte Existenz eines geheimen Konzentrationslagers in Sujiatun für durchaus glaubwürdig. Der Journalist, der seine Identität im Moment noch nicht preisgeben möchte, war in China gefangen genommen worden, konnte aber nach Japan fliehen und setzte sich von dort aus in die USA ab. Dieser Mr. R., wie wir ihn jetzt nennen wollen, sagte in einem Interview, dass sich in dem KZ in Sujiatun bei Shenyang über 6.000 Falun Gong-Praktizierende befinden und ihre Organe zum Verkauf entnommen würden.
Mr. R. und seine Informanten haben dieses Konzentrationslager mehrere Tage lang beobachtet. In diesem geheimen KZ leben viele Ärzte und es gäbe dort einen Verbrennungsofen, aus dem häufig weißer Rauch aufsteigt. „Sie können sich selber vorstellen, wozu dieses KZ dient. Letztendlich werden Falun Gong-Praktizierende wegen ihrer Organe getötet, die dann an die verschiedenen medizinischen Einrichtungen geschickt werden“, sagte der Journalist zu unserer Zeitung Epoch Times in den USA.
„Die Millionenstadt Shenyang liegt nicht weit entfernt von der Grenze zum kommunistischen Nordkorea. Beamte der Arbeitslager und Gefängnisse in Shenyang sind häufig über die Grenze gegangen, um Arbeitslager in Nordkorea zu besichtigen und Erfahrungen von Nordkorea zu sammeln.“, sagte Mr. R.
Dazu muss man wissen, dass die Bewegung der Falun Gong von der KP Chinas als große Gefahr angesehen wird. Die Falun Gong-Bewegung, die vor ihrem Verbot vor einigen Jahren in China fast doppelt so viele Mitglieder wie die KP besaß (ca. 110 Mio. Falun Gong vs. 60 Millionen KP Anhänger), wurde dadurch zum politischen Feind. Die Verschleppung ihrer Mitglieder durch lokale Militärs in Zusammenarbeit mit Justizbeamten und Ärzten aus den Provinzen, wird, wenn nicht offiziell befohlen, dann doch wenigstens geduldet. Der nicht-politisch motivierte Teil der Geschichte ist einfach: organisiertes Verbrechen mit Organraub und Mord sorgen im industriellen Maßstab für massig Kohle für alle Beteiligten (die kurzfristige Transplantation einer Niere kann schon mal mit 100.000 $US vergütet werden).
Berichten nach zu urteilen, soll sich die Situation seit den Enthüllungen 2006 verbessert haben. Das Rote Kreuz will nun enger mit der Regierung in Peking zusammenarbeiten, um eine geregelte und freiwillige Organspende-Infrastruktur aufzubauen. Aber dies wird Jahre dauern. Und während viele Gründe dagegen sprechen, sich freiwillig die Organe in China entnehmen zu lassen (mangelnde Hygiene, fehlendes Vertrauen in das staatliche Gesundheitssystem, starke Abhängigkeit der Landbevölkerung von der eigenen Gesundheit), gibt es einen sehr viel schwerwiegenderen Grund, mit dem auch das Rote Kreuz zu kämpfen haben wird: Im konfuzianischen Glauben soll der Körper eines Toten aus Achtung vor den Vorfahren unversehrt bleiben - weshalb die meisten Chinesen eine Organspende verweigern. (js)
Wer das Thema spannend findet, hier weiterführende Artikel...
Frankfurter Rundschau: Die Niere vom Henker
Spiegel: Zwei von drei Spenderorganen stammen von Hingerichteten
Cicero: Hinrichtung auf Bestellung
Internationale Föderation für Gerechtigkeit in China: Konzentrationslager und Organhandel in China aufgedeckt
Mach’s mit(!) Hitler im Bett
Hilfsorganisationen und gemeinnützige Projekte haben es in unserer egoistischen Konsumgesellschaft nicht leicht. Daher greifen immer mehr Organisationen zu drastischen Kampagnen.
So wie auch der Regenbogen e.V., der zu den Themen AIDS und HIV aufklärt.

Shock-Motive von Regenbogen e.V.
Aids ist ein Massenmörder lautet das Thema der bald startenden Kampagne. Dort wo Dienstleister, Handelsmarken und Unternehmen eine Grenze ziehen, legen NGOs erst richtig los. Regeln werden bewusst gebrochen, der gute Geschmack wird mit Füßen getreten, es wird mit Angst und Schrecken geworben – natürlich alles im Auftrag für den guten Zweck.
Sex-Szenen mit Saddam, Hitler oder Stalin...
...wo sollte Schluss sein? Darf man um jeden Preis provozieren? Ist jedes Mittel recht? (jsb)
edit: Auch Spiegel Online hat sich mit einem ähnlichen Titel der Thematik angenommen.
Der Betroffene
Frank Schirrmacher, angesehener Journalist und Mitherausgeber der FAZ, bekannte sich dieser Tage in einem offenen Bekennerschreiben zu jener Nacht im Bundeskanzleramt. „Ich war auf Ackermanns Party“, ließ er offenkundig verlautbaren.
Schirrmacher berichtet dabei in fast penibler Art und Weise von dem Essen, den Gästen, den Gesprächsthemen an jenem viel beachteten Abend unter der Créme de la Créme Deutschlands, dass es ans Groteske heranreicht.
Ich glaube, kann es aber nicht beschwören, dass es Spargel gab.
Immer wieder mimt er dabei den Schuldbewussten, den zutiefst peinlich Berührten:
Frau Merkel moderierte das Gespräch. Auch hier versagt mein Gedächtnis für alle Details. Wir befanden uns vor der Krise.
Nur um zum Ende seiner gespielten Karthasis, alles ins Lächerliche zu verkehren:
Hätte ich gewusst, dass es nötig werden würde, ich hätte mir Notizen angelegt. Ich kann zu meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich ähnliche Geburtstagsessen auch schon beim Bundespräsidenten erlebt habe…
Auch das wird mir nichts helfen. Ich weiß es. Aber man möge in meinem Fehlverhalten auch eine Chance sehen. Wer wird sich jetzt noch von der Bundeskanzlerin einladen lassen?
Das Bekenntnis ist ein Aufschrei von Schirrmacher, der die Mediendebatte über eben jenen Abend anscheinend selbst grotesk und sinnentleert findet.
Doch als Mitherausgeber der FAZ, in dessen Rolle Schirrmacher hier schreibt, gehört es sich da, seine Leser und alle ehrlichen deutschen Steuerzahler - die vielleicht noch nicht persönlich von der Bundeskanzlerin zur Party ins Bundeskanzleramt auf Staatskosten eingeladen wurden - so für dumm zu verkaufen? (js)
Business Punk – Das Magazin für psychotische Karrieristen
Wenn Patrick Bateman, der charismatische Protagonist aus American Psycho, der Frauen am liebsten in kleinen Stücken mochte, eine Zeitschrift abonniert hätte, dann wäre es (wenn es denn nach Gruner + Jahr ginge) wohl das neue Magazin Business Punk gewesen. Blöderweise erscheint es dafür mehr als 25 Jahre zu spät.

Quelle: Kress.de
Also musste es sich eine neue, zeitgemäße Zielgruppe suchen: „Die Leistungselite der Generation Xing“ wurde ausgemacht. Männer zwischen Mitte Zwanzig und Ende Dreißig, die für ihren Beruf brennen und in ihrer Freizeit die Extreme suchen – ganz wie der Untertitel der Zeitschrift „Work hard, Play hard“ vorgibt. Menschen, die sich von ihrer Umwelt nicht verstanden fühlen, denen die Gesellschaft nicht für ihren Beitrag dankt. Menschen, die nach einer Zuflucht suchen, nach Gleichgesinnten, nach einer Oase der akzeptierten amoralischen Opulenz.
Allerdings mag ich den Sinn und Erfolg des Magazins bezweifeln. Warum, das verrät der Titel des Magazins selbst. Denn Wikipedia erklärt „Punk“ wie folgt:
Das Wort Punk /pʌŋk/ […] bezeichnet allgemein etwas Niedriges, Minderwertiges, also Unsinn; auf Personen bezogen Anfänger, unerfahrene Person, Strolch, Kleinkrimineller, Landstreicher oder gar Abschaum, Dreck.
Und so würde die Zeitschrift selbst wahrscheinlich eher diejenigen anlocken, die sich gern zu dieser Xing-Elite zählen würden, die davon träumen, mit einer Yacht an der Côte D’azur anzulegen oder ein Mal mit Michael Schumacher Fußball zu spielen. Um diese Zielgruppe zu erreichen, ist der Preis von 6 Euro jedoch zu hoch. Auch dürfte es schwieriger werden, bei dieser Leserschaft die avisierten Anzeigenkunden zu gewinnen.
Mit Themen wie "Die Karriere ist wie ein Fußballspiel. Manchmal sind taktische Fouls unerlässlich" und "Mythos der sexy Sekretärin" werden die wahren High Performer aber wohl kaum erreicht werden. Warum sollten jene auch über diese Themen lesen, wenn ihnen jeden Morgen der Kaffe in High Heels von Beinen bis zum Himmel serviert wird und sie mit ausgefahrenen Ellenbogen in jedes Meeting gehen?
Doch bevor ich hier in eine Tirade verfalle, ende ich mit Bateman: ich muss noch einige Videos zurückbringen… (jsb)
Ruperts letzte Worte…

7 Tage ist es jetzt her. Vor genau einer Woche feierte der wahrscheinlich einflussreichste Medienmanager der Gegenwart seinen 78. Geburtstag. Dazu erstmal, herzlichen Glückwunsch!
Nur ein Problem bleibt weiterhin bestehen: Der milliardenschwere Medienmogul sitzt noch immer seiner News Corporation vor und denkt überhaupt nicht ans Abdanken. Rente mit 67...? Lächerlich, wird sich Rupert Murdoch im Stillen denken und managed fröhlich weiter. Doch damit steht er nicht allein.
Das selbe Dilemma durchdringt dabei so akut wie kaum ein anderes Thema unsere heutige Wirtschaftswelt - das Dilemma vom "ewigen Patriarchen". Und in den seltensten Fällen treffen wir diese Patriarchen bei den großen multinationalen Unternehmen an, sondern viel öfter im so oft vergessenen Mittelstand. Der Mittelstand, das sind in Deutschland 99,7 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen. Und allein im europäischen Wirtschaftsraum existieren etwa 20 Millionen Kleinstbetriebe, kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU).
Aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges erwuchs eine neue Riege an Unternehmern empor, die gewissermaßen historisch einmalige Zustände vorfand. Viele unter ihnen, die mit nicht mehr als einer Hand voll Erde begonnen haben und sich in den 50er und 60er Jahren an den Wiederaufbau des eigenen Landes machten. Jene unter ihnen, die in dieser Zeit erfolgreich waren, haben ihre Unternehmen bis heute über Jahrzehnte hinweg oft zu Spitzenreitern ihrer Nische entwickelt. Eben just zu dieser Generation von Unternehmen gehört Rupert Murdoch, und mit ihm eine ganze Generation.
Und all diese "ewigen Patriarchen" stehen vor dem selben Problem: Sie finden keine "adäquate" Nachfolge.
1.) Weil in ihren Augen sowieso niemand gut genug für ihr Unternehmen ist und
2.) Weil diese Unternehmer, oft seit über 40 Jahren, eine Liebesgeschichte zu ihrem Baby aufgebaut haben. Und wer würde sich schon freiwillig von solch einer beständigen Liebschaft verabschieden?
Der Fall Rupert ist also exemplarisch. Und ein ernsthaftes Problem für jede Wirtschaft. (js)
Einen guten Artikel zur Nachfolgeproblematik von Rupert Murdoch findet ihr hier: Neue Zürcher Zeitung
Stehen geblieben, Pilz-Polizei!
Bald ist es wieder so weit: Die Pilzsaison beginnt! Heerscharen von Familien, Rentnern und anderen Freizeit-Pilzsammlern werden in den kommenden Wochen und Monaten die Wälder unserer Republik bevölkern. Und wenn es vorher besonders stark geregnet hat, haben die Glücklichen unter uns ziemlich schwer auf ihrem Weg zurück ins Auto zu tragen. Doch aufgepasst - vielleicht habt ihr euch ja soeben schon strafbar gemacht!?
Das deutsche Recht hält nämlich einige Feinheiten für den gemeinen Pilzsuchenden bereit, die sich nicht immer der verständigen Logik erschließen...und dafür einen Platz in der Rubrik "Sinnlose Gesetze der BRD" verdienen!
So dürfen Pilze nur begrenzt für den Eigenverbrauch gesammelt werden. Die tägliche Obergrenze beträgt demnach 1kg pro Person und Tag. Und das ist Gesetz. Geschützt sind u.a. folgende "Volkspilzarten":
Steinpilz (Boletus edulis), Birkenpilze & Co. (Leccinum), Pfifferlinge (Cantharellus) und alle Morchelarten.
Über die Sinnhaftigkeit dieses Gesetzes in Hinblick auf den Artenschutz (vgl. Bundesartenschutzverordnung i.V.m. Bundesnaturschutzgesetz) kann man sich sicherlich streiten. Schließlich soll damit der Raubbau an der Natur verhindert werden, obwohl eine Langzeitstudie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (via Pilzfreundetreff unlängst bewiesen hat, dass entgegen der landläufigen Erwartungen das systematische Pilzsammeln weder die zukünftigen Erntemengen noch die Artenanzahl beeinträchtigt. Unabhängig davon, ob die Pilze gepflückt oder abgeschnitten wurden. Die Gesetzesberechtigung ist daher bereits fragwürdig.
Was mich aber viel mehr wurmt ist - macht sich bei solchen Gesetzgebungen auch irgendwer einen Kopf, wie so etwas praktisch durchgesetzt werden soll? Um den Millionen von Verstößen der deutschen Zivilgesellschaft jedes Jahr Einhalt zu gebieten, müsste man schon eine eigens dafür ausgebildete Pilz-Polizei rekrutieren. Das wäre dann tatsächlich nur eine saisonale Beschäftigung, könnte aber durchaus dem 4-Millionen-Arbeitsplätzeprogramm von Kanzlerkandidat Steinmeier ernsthafte Konkurrenz machen. Immerhin wäre dies ein Konjunkturprogramm, das sofort anschlägt.
Für fünf Monate im Jahr gäbe es dann keine strukturelle Arbeitslosigkeit. Und mit den Bußgeldern i.H.v. 100€ pro überzogenen Kilo könnte man diese riesige Arbeitsbeschaffungsmaßnahme auch zu großen Teilen gegenfinanzieren. Eigentlich gar kein schlechtes Wahlprogramm....(js)
9Live, Heul doch!
Es muss zu meiner Grundschulzeit gewesen sein, Sonntagmorgens. Jeden Sonntag gegen halb neun morgens – manchmal auch schon früher – saßen mein Bruder, meine Schwester und ich vor unserem winzigen Schwarzweißfernseher und starrten auf die Mattscheibe. Ein völlig geistfreies Verhalten. Denn das einzige, was dort flimmerte, war das Testbild der ARD mit der fortlaufenden Uhrzeit. Wir saßen dort in freudiger Erwartung, dass um neun Uhr morgens das Fernsehprogramm mit dem Disneyclub starten würde.
Zwanzig Jahre später.
„…oh, und ich sehe gerade: Leitung 2 ist JETZT offen. Das bedeutet doppelte Gewinnchancen für Sie.“
Ich sehe eine dummgefärbte, dralle Blondine mit riesigem Ausschnitt. Wahrscheinlich ist sie von einer früheren Staffel Big Brother übrig geblieben. „Hallo wer ist da?“ – „Hallo? Ja, der Lars.“
– „Hallo Lars. Lars, was ist deine Antwort?“ – „Raabe“
– „Lars, leider nein. Tschüss Lars… Soooo, wir suchen immer noch ein Tier mit vier Buchsstaben, zweiter Buchstabe ist ein ‚a‘! Und der Hot Button schlägt gleich zu, in fünf, vier, drei, zwei, eins! Wer jetzt durchkommt und die richtige Antwort weiß, kann neben den 500 Euros sich auch noch eins von diesen Goldpaketen aussuchen. Soo, wir haben einen Anrufer. Wer ist da?“
In den folgenden Minuten legt ein Anrufer sofort wieder auf, Rita und Thomas tippen auf „Habicht“ und „Krake“, wobei Thomas verdächtig nach Lars klingt oder umgekehrt. Das alles passiert bevor Mechthild das Rätsel löst.

Die Suchvorschläge "Betrug" und "Abzocke" rühren nicht von ungefähr...
Auf diese Weise haben 9Live und andere Sender der ProSiebenSat.1 Media AG in den letzten Jahren mächtig viel Geld verdient und sich ihren Ruf ruiniert.
Denn es gab immer wieder Vorwürfe gegen die Sendergruppe, dass auch Minderjährige an den Gewinnspielen teilnehmen würden und die Teilnahmebedingungen nicht klar übermittelt würden. Darum hat 9Live selbst, gemeinsam mit der Bayrischen Landesmedienanstalt strengere Richtlinien auf den Weg gebracht, um das Image des Abzock-Senders loszuwerden. Seit März dieses Jahres gelten nun diese Richtlinien und zwar verpflichtend für alle Call-In-Shows.
So muss in kurzen Abständen immer wieder akustisch darauf hingewiesen werden, dass Anrufer volljährig sein müssen und der Preis für einen Anruf aus dem deutschen Festnetz 50 Cent kostet. Diese Information muss auch permanent ins Bild eingeblendet sein.
Seither brechen 9Live und co. die Anrufer weg. Der Hedonistensender musste allein im März einen Anrufrückgang von 35 Prozent verbuchen. In den Folgemonaten sanken die Zahlen weiter. In Kombination mit dem neu festgelegten Höchstpreis von 0,50 Euro pro Anruf, rechnet sich diese Art von Call-TV nicht mehr. Es ist beruhigend, dass solch ein dummes TV-Format unter seriösen Bedingungen in Deutschland (noch!) nicht gewinnbringend ist.
9Live geht es nun schlecht, richtig schlecht. Und daher hat der Sender im Juni gerichtlich versucht, die neuen Gewinnspielregeln, die er selbst mit initiiert hatte, außer Kraft zu setzen. Letzte Woche wurde der Eilantrag abgelehnt. Das Verfahren am Bayrischen Verwaltungsgerichtshof läuft allerdings noch. Es bleibt zu hoffen, dass das abschließende Urteil im Sinne der Verbraucher ausfällt. Und vielleicht gibt es dann auf einigen Sendern nachts wieder ein Testbild zu sehen. Und auf anderen hoffentlich rund um die Uhr. (jsb)
Schlechter Einfluss der VW Polo-Werbung
Ich bin gerne im Grünen und das will ich auch morgen noch sagen können. Ich will einen Ort an dem ich mich sicher fühle. Ich mag Ecken und Kanten, aber bloß keinen Schnick-Schnack. Nichts im Leben ist perfekt, aber manchmal ist Präzision einfach alles.Tolle Worte, die den Zeitgeist treffen. Das klingt umweltbewusst, bescheiden, aber selbstbewusst - und es klingt nachhaltig. Diese Aussagen sind so in dem aktuellen VW Polo Spot zu hören.
Die Musik im Hintergrund schlägt dabei aber einen ganz anderen Ton an:
Alright sirsure I'll have another one it's early
Three olives, shake it up, I like it dirty
Tequila for my friend it makes her flirty
Trust me I'm the instigator of underwear
Showing up here and there… …Lordy, Lordy, Lordy!
I can't help it I like to party, it's genetic!
It's electrifying, wind me up and watch me go
Where she stops, nobody knows
A good excuse to be a bad influence on you
Ich habe nichts gegen Pink und ihre Musik, vor allem weil ihr mit “Bad Influence” mal wieder ein besserer Song gelungen ist, der an die früheren Werke erinnert.
Der Cut, der in dem VW-Spot verwendet wird, unterstützt die Komposition der Bilder, verleiht der Werbung Energie und verdeutlicht die Potenz des Autos nachdrücklich.
Was die Werbeagentur DDB im Sinn hatte, als diese Kampagne entstand ist eindeutig: Es sollte das Design, die Qualität und Wertigkeit des neuen Modells gezeigt werden. Gleichzeitig soll ein junges, unbeschwertes aber verantwortungsvolles Lebensgefühl zum Ausdruck gebracht werden, bei dem das Auto nicht als Statussymbol dient, sondern lediglich die eigene Attitüde des Fahrers unterstreicht.
Soweit wurde vieles richtig gemacht. Jedoch muss die Frage erlaubt sein, ob nicht ausgerechnet mit diesem hedonistischen Liedgut, das musikalisch so gut in der Werbung aufgeht, textlich absolut daneben gegriffen wurde. Exzessiver Alkoholkonsum zur Mittagszeit als Verkaufsförderung für PKW?
Na dann, gute Fahrt und Prost! (jsb)
Nachtrag:
Vielen Dank an "Zeitgeist", der/die (?) in seinem/ihrem Kommentar darauf hingewiesen hat, dass die Werbung den zitierten Teil des Liedes gar nicht enthält. Das stimmt, aber es gibt einen weiteren (langweiligeren) Werbespot , der in Los Angeles gedreht wurde und eben auch diesen Teil spielt. DDB kennt folglich definitiv das ganze Lied.
Die “Glücklich”-Währung
Dass Menschen gerade in Zeiten der Krise sentimental werden, ist ja an sich nichts neues. Das sie sich jetzt aber entspannt zurücklehnen und ihren eigentlichen Reichtum feiern sollten - ob arm oder reich -, das probiert uns das neue Buch von Steve Henry "You are Really Rich: You Just Don't Know it Yet" klarzumachen.
Zusammen mit einigen anderen britischen Autoren hat Henry rund tausend Menschen befragt. Die Aufgabe: Fünfzig Lebensmomente auf einer "Glücklich-Mach"-Skala von 1 bis 10 zu bewerten. Dagegen wurde gestellt, wie glücklich ein Lotto-Gewinn von 100.000 Pfund (ca. 116.000€) macht. Das Ergebnis ist nur scheinbar überraschend: Unter den Top 10 "Glücklich-Machern" befinden sich immaterielle Momente wie: (2) "Ich liebe Dich" hören (192.126€), (5) Kinder (143.979€), (7) Lachen (125.840€), (8) Sex (122.565€) oder (9) Urlaub (106.895€) (Die kompletten Top10 zeigt der Spiegel).
Sehen wir mal davon ab, dass hier probiert wird, das eigene Kind auf einer Skala von 1 bis 10 in seinem Glücklichkeitswert zu verorten. Kann ein Kind denn einmalig glücklich oder unglücklich machen? Sind es nicht die vielen einzelnen Momente mit dem Kind, die vielzahl an lustigen Situationen während eines Urlaubs, die unterschiedlichen Intensitäten von Lachen, Liebe und Leidenschaft, die uns unterschiedlich glücklich machen? Sind unsere Gefühle nicht vielmehr dynamisch als statisch, eine Bandbreite an Emotionen die sich keiner starren Kategorisierung ergibt und keiner Währung zum Wechselkurs bedarf? Aber vor allem anderen, verliert die flüchtige Natur des Glücks nicht gerade dadurch ihren Wert, so man sie probiert numerisch zu erfassen? Glück ist unbezahlbar. So hat es auch unlängst ein namhaftes Kreditkartenzahlungssystem verstanden...
Eines ist auf jeden Fall klar: Wenn es in der Krise eines Buches bedarf, das den Menschen vorrechnet wie viel ihre jeweiligen Gefühle in Pfund und Euro wert sind, dann stimmt entweder etwas mit dem Glücksempfinden jener Leser nicht, aber allen voran mit dem Wertesystem dessen scheinwissenschaftlicher Autoren nicht. Außer sie selbst wissen sehr wohl....nur echtes Geld füllt den Kontostand. Und Buchverkäufe tragen nun mal ihr übriges dazu bei...
(js)

