11Sep/090

Chinas Rechnung mit der Niere

Organhandel in China - (K)ein religiöses Phänomen?

Organhandel in China - (K)ein religiöses Phänomen?

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International gehen davon aus, dass China für rund 70% der weltweiten jährlichen Hinrichtungen aufkommt. Und die Dunkelziffer soll noch weitaus höher liegen. In absoluten Zahlen sind das jährlich mehrere tausend Menschen.

Vor zwei Wochen hat das chinesische Gesundheitsministerium nun erstmalig offiziell zugegeben, was vielen unlängst schon bekannt war: 2/3 aller in der Volksrepublik China transplantierter Spendeorgane stammen demnach von exekutierten Kriminellen, wie die „China Daily“ diesen August berichtete. Die tatsächliche Quote soll Schätzungen zu Folge bei über 90% liegen.

Seit Jahren floriert in China der Schwarzhandel mit Organen, die für viel Geld auch an Interessenten im nahe gelegenen Ausland (Korea, Japan) oder etwas entfernter (Kanada, USA) verkauft werden.

Jährlich warten 1,5 Millionen Chinesen auf eine Organtransplantation. Aber in den letzten sechs Jahren haben sich laut offiziellen Angaben nur 130 Chinesen als freiwillige Spender registrieren lassen. Das entspricht rund 0,0000001% der Bevölkerung.

Legt man die zeitliche Kurve von Exekutionen und die von Transplantationen in China übereinander, verschmelzen diese fast zu einer gemeinsamen Linie. Mathematiker sprechen in diesem Fall von Deckungsgleichheit. "Hinrichtung auf Bestellung", wie Cicero kommentierte. Dabei spricht sich die Kommunistische Partei Chinas offiziell nur für solche Organspenden aus, die auch auf Freiwilligkeit basieren. Und das kann schließlich auch bei Kriminellen der Fall sein. Man kann auch argumentieren, dass durch diese Praktik immerhin das Leben von knapp 10.000 Menschen jährlich gerettet oder zumindest erleichtert wird. Selbst bei diesen Zahlen stehen jeder Transplantation, 149 nicht-realisierbare Transplantationen gegenüber.

Aber tatsächlich würden diese beiden Linien wahrscheinlich eine regelmäßige Reihe von Ausschlägen aufweisen, denn in China gibt es mehr Transplantationen als Exekutionen. Woher die übrigen Organe stammen, ist spätestens seit dem Enthüllungsreport eines chinesischen Journalisten vor drei Jahren deutlich geworden. Hier ein Auszug von der IFJC:

Konzentrationslager mit 6.000 Falun Gong-Praktizierenden

Herr Yuan hält die von einem chinesischen Journalisten dieser Tage enthüllte Existenz eines geheimen Konzentrationslagers in Sujiatun für durchaus glaubwürdig. Der Journalist, der seine Identität im Moment noch nicht preisgeben möchte, war in China gefangen genommen worden, konnte aber nach Japan fliehen und setzte sich von dort aus in die USA ab. Dieser Mr. R., wie wir ihn jetzt nennen wollen, sagte in einem Interview, dass sich in dem KZ in Sujiatun bei Shenyang über 6.000 Falun Gong-Praktizierende befinden und ihre Organe zum Verkauf entnommen würden.

Mr. R. und seine Informanten haben dieses Konzentrationslager mehrere Tage lang beobachtet. In diesem geheimen KZ leben viele Ärzte und es gäbe dort einen Verbrennungsofen, aus dem häufig weißer Rauch aufsteigt. „Sie können sich selber vorstellen, wozu dieses KZ dient. Letztendlich werden Falun Gong-Praktizierende wegen ihrer Organe getötet, die dann an die verschiedenen medizinischen Einrichtungen geschickt werden“, sagte der Journalist zu unserer Zeitung Epoch Times in den USA.

„Die Millionenstadt Shenyang liegt nicht weit entfernt von der Grenze zum kommunistischen Nordkorea. Beamte der Arbeitslager und Gefängnisse in Shenyang sind häufig über die Grenze gegangen, um Arbeitslager in Nordkorea zu besichtigen und Erfahrungen von Nordkorea zu sammeln.“, sagte Mr. R.

Dazu muss man wissen, dass die Bewegung der Falun Gong von der KP Chinas als große Gefahr angesehen wird. Die Falun Gong-Bewegung, die vor ihrem Verbot vor einigen Jahren in China fast doppelt so viele Mitglieder wie die KP besaß (ca. 110 Mio. Falun Gong vs. 60 Millionen KP Anhänger), wurde dadurch zum politischen Feind. Die Verschleppung ihrer Mitglieder durch lokale Militärs in Zusammenarbeit mit Justizbeamten und Ärzten aus den Provinzen, wird, wenn nicht offiziell befohlen, dann doch wenigstens geduldet. Der nicht-politisch motivierte Teil der Geschichte ist einfach: organisiertes Verbrechen mit Organraub und Mord sorgen im industriellen Maßstab für massig Kohle für alle Beteiligten (die kurzfristige Transplantation einer Niere kann schon mal mit 100.000 $US vergütet werden).

Berichten nach zu urteilen, soll sich die Situation seit den Enthüllungen 2006 verbessert haben. Das Rote Kreuz will nun enger mit der Regierung in Peking zusammenarbeiten, um eine geregelte und freiwillige Organspende-Infrastruktur aufzubauen. Aber dies wird Jahre dauern. Und während viele Gründe dagegen sprechen, sich freiwillig die Organe in China entnehmen zu lassen (mangelnde Hygiene, fehlendes Vertrauen in das staatliche Gesundheitssystem, starke Abhängigkeit der Landbevölkerung von der eigenen Gesundheit), gibt es einen sehr viel schwerwiegenderen Grund, mit dem auch das Rote Kreuz zu kämpfen haben wird: Im konfuzianischen Glauben soll der Körper eines Toten aus Achtung vor den Vorfahren unversehrt bleiben - weshalb die meisten Chinesen eine Organspende verweigern. (js)

Wer das Thema spannend findet, hier weiterführende Artikel...
Frankfurter Rundschau: Die Niere vom Henker
Spiegel: Zwei von drei Spenderorganen stammen von Hingerichteten
Cicero: Hinrichtung auf Bestellung
Internationale Föderation für Gerechtigkeit in China: Konzentrationslager und Organhandel in China aufgedeckt

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