18Aug/090

Die schleichende Enteignung des Hubert Burda


Hört man sich das Geheule der deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger an, allen voran Hubert Burda, kann einem nur schlecht werden. Ende Juni hatten 166 Verlage, davon 148 deutsche, in der sogenannten “Hamburger Erklärung” harsche Kritik an Suchmaschinendiensten wie GoogleNews geübt und den Schutz geistigen Eigentums in der digitalen Welt gefordert. Dabei wird immer die selbe Leier gespielt: Die Auflagenzahlen aller großen Zeitungshäuser sind seit Jahren rückläufig, Inhalte und Artikel werden im Internet kostenlos kopiert, die Einnahmen der klassischen Medien sinken, was wiederum den Qualitätsjournalismus und Meinungspluralismus einer demokratischen Gesellschaft gefährdet. Von Kulturflatrate à la GEZ für die Printverlage bis Staatssubventionen ist da die Rede.

Ginge es nach den deutschen Zeitungsverlegern und deren Verbandschef Burda, sollte wohl das gesamte Internet in einen Paid-Content-Raum umgewandelt werden.
Burda argumentierte dazu Anfang Juli in der FAZ ganz im Sinne der Institutionenökonomik:

“Suchmaschinen, aber auch Provider und andere Anbieter profitieren überproportional von unseren teuer erstellten Inhalten. Doch wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen. Sonst sehen wir der schleichenden Enteignung der Inhalte-Produzenten tatenlos zu."

Aber Herr Burda, täuschen wir uns oder stellen Nachrichtenseiten ihre Inhalte nicht kostenlos und freiwillig den Lesern und Suchmaschinen im Internet zur Verfügung? Ganz davon abgesehen, dass sie dadurch Werbeeinnahmen durch Banner generieren und Cross-Media Verkäufe über ihre Medienmarke anbahnen?
Josh Cohen, Senior Business Product Manager bei Google, fand dazu in seinem Blogpost letzten Monat deutliche Worte:

“The truth is that news publishers, like all other content owners, are in complete control when it comes not only to what content they make available on the web, but also who can access it and at what price. This is the very backbone of the web”.

Über den Befehl User-agent: *
Disallow: / können Suchmaschinen gemäß eines universellen Standards (REP) einfach an der Indexierung einer Seite gehindert werden. Doch Cohen kontert, dass über 25.000 Medienunternehmen weltweit sich gegenüber Google geöffnet haben. Warum? "Sie wollen gefunden und gelesen werden - Google liefert über eine Milliarde Konsumentenbesuche an Nachrichten-Websites pro Monat."

Dass Online-Nachrichtenportale heutzutage also der Enteignung ihres intellektuellen Gedankengutes schutzlos ausgeliefert wären, ist bloße Polemik. Polemik ist dagegen nicht, wie eben jene Zeitschriftenverlage der “Hamburger Erklärung” ihre freien Autoren durch Knebelverträge und Total-Buy-Out-Klauseln von jeglichen Rechten an ihren eigenen Werken enteignen (TAZ). Diese uncharmanten Zustände kennt man sonst nur aus der Musik- und Filmbranche. Aber auch die leiden an der selben Krankheit; einer populären Paarung aus Größenwahn und Verlustangst.

Da hilft langfristig auch kein Bitten, Betteln oder Verklagen… Aber wie heißt es so schön, “wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen”.
Und wer immer noch bockig ist, dass sein Geschäftsmodell sich nicht von selbst neu erfindet, für den Bedarf es nur zwei Zeilen Code, um sich das eigene Wasser zu Page Impressions, Leser-Reichweite und Werbe- und Aboumsätzen abzugraben.
Viel Spaß, Herr Burda & Co.! (js)

Bookmark and Share
veröffentlicht unter: Medien Kommentar schreiben
Kommentare (0) Trackbacks (16)

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.


Kommentar schreiben


Add to Technorati Favorites

Letzte Artikel

Letzte Kommentare

Bereiche