17Aug/096

Das böse Ende der Abwrackprämie

Jetzt ist es offiziell: Die Abwrackprämie ist ein dummes populistisches Strohfeuer. Die Wirkung wurde verfehlt, das ganze Ausmaß des Schadens wird sich aber frühestens im Laufe des nächten Jahres absehen lassen. Wahrscheinlich ist es auch bereits zu spät, eine Warnung über den großen Teich zu rufen. Denn die dortige Regierung hat das deutsche Konzept nahezu kopiert und vor einigen Monaten „Cash for Clunkers“ ins Leben gerufen. Vor gerade einer Woche wurde dort das Budget von ursprünglich einer Milliarde US-Dollar um weitere 2 Milliarden aufgestockt.

Heute hat das Statistische Bundesamt Zahlen zu den KFZ-Verkäufen der letzten Monate vorgelegt. Was daraus hervorgeht, ist so einleuchtend und nachvollziehbar, dass man dafür kein Volksökonom sein muss.

Wenn man eine Prämie von 2.500 Euro an Fahrzeughalter ausgibt, damit sie ihr Auto verschrotten, richtet sich dieses Angebot automatisch nur an eine beschränkte Zielgruppe.

  1. Das Altfahrzeug hat nur noch einen Marktwert von weniger als eben 2.500 Euro.
  2. 2.500 Euro „Rabatt“ müssen einen ausschlaggebenden Kaufimpuls auslösen.

Wer jetzt noch nicht durch das Raster gefallen ist, ist in den allermeisten Fällen auf der Suche nach einem günstigen, spritsparenden Kleinwagen. Einem Kleinwagen wie sie in Asien oder Frankreich produziert werden. An den deutschen Herstellern Audi, Porsche, BMW und Mercedes geht diese Konjunkturmaßnahme ausnahmslos vorbei. Volkswagen und Opel haben nur zu Teilen profitiert.

Foto: Stephan Wengelinski

Foto: Stephan Wengelinski

Also global gesehen, hat die Abwrackprämie der Weltwirtschaft einen kleinen positiven Impuls gegeben. Aber in Deutschland haben gerade mal die Autohändler und die Neuwagenbesitzer profitiert. Die Produktionsstätten in Ingolstadt, Zuffenhausen und Sindelfingen haben weiterhin und ungebremst mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen.

500 Millionen Euro Steuergelder wurden altruistisch zum Wohle der Weltwirtschaft ausgegeben. In der gleichen Zeit haben Autowerkstätten in Deutschland bereits enorme Umsatzbußen hinnehmen müssen, weil viele Klapperkisten von der Straße verschwunden sind.

Was die Automobilwirtschaft in Deutschland in den nächsten Monaten und vielleicht sogar Jahren erwartet, wird wohl noch schlimmer. Sobald das Budget der Abwrackprämie aufgebraucht ist – was in zwei bis drei Wochen der Fall sein dürfte – werden die Neuwagenverkäufe deutlich abnehmen. Der Markt für Kleinwagen dürfte großenteils gesättigt sein, die gefühlte Preisanhebung um 2.500 Euro wird auch nicht den Abverkauf ankurbeln. Das Resultat ist, dass lediglich zukünftige Umsätze früher realisiert wurden. Diese Verkäufe werden in den nächsten Quartalen fehlen.

Der kurzfristige Impuls an die deutsche Wirtschaft wird sehr wahrscheinlich ein böses Nachspiel haben. Und schuld ist wie so oft, eine Politik, die allgemeinverständliche Maßnahmen nachhaltigen Konzepten vorzieht, um bloß keine Wähler zu vergraulen. (jsb)

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Kommentare (6) Trackbacks (0)
  1. absolut korrekt.

    die subventionierung unterstützt primär Kompaktwagenprdouzenten aus dem Südwesten Europas und vor allem Asien.

    Die dt. Unternehmen haben nicht viel davon, da jemand mit 2.500 € Bonus die er benötigt um ein Auto zu kaufen – dieser jemand wird garantiert davon kein Auto aus der Klasse 25.000 € & up kaufrn.

    Konjunktur pro Global Con deutschland

  2. Nicht ganz korrekt. Mwst die der Staat durch den verkauf von Autos einnimmt? Bei 10.000€ Netto kostet ein Fahrzeug 11.900€ Brutto. Dann kommt noch dazu das die 2.500€ unter die Einkommenssteuer fallen etc ;) Der Staat holt sich das schon zurück.

  3. @bld: Vielen Dank für den Einwand, der natürlich nicht ganz unberechtigt ist.
    Ja, der Staat holt sich das Geld zurück. Jedoch könnte man auch sagen, er verschenkt die Steuereinnahmen aus dem Neuwagenverkauf zugunsten einzelner Bürger und einer Maßnahme, die ihr Ziel weitestgehend verfehlt hat.
    Ich denke zu dem Thema wird es noch einige Stimmen und Meinungen in Zukunft geben. Ich warte schon auf die Zahlen des selbsternannten “Bund der Steuerzahler”…

  4. Zumal einige Käufer sich auch so ein Auto gekauft hätten, dessen Mehrwertsteuer man so quasi auch liegen lässt. Man verschenkt also nicht nur die 2.500€ durch den Neuwagenkauf sondern auch die dann eventuell eingenommenen Mehrwersteuererträge.

    Aber auf jeden Fall eine spannende Diskussion.

  5. Ich kenne einige die ohne die Abwrackprämie kein Neuwagen gekauft hätten, höchstens nen Gebrauchten für 4.000-6.000€ wo dann wiederrum viel weniger MWST angefallen wäre als an den jetztigen (~11.000€). Es kommt noch zusätzlich mwst. rein da die Schrotthändler einige Teile aus den Fahrzeugen noch verkaufen, da sie ja nicht gezwungen sind sämtliche Teile gebrauchsunfähig zu machen. Z.B. ein guter Golf IV (den ja eingie Abgegeben haben….dazu muss man nix sagen) bringt nochmal einige € den Schrotthändlern ein, Getriebe, Motor usw sind da ja funktionsfähig.

  6. Dann wäre weniger angefallen – richtig. Aber es wäre mehr angefallen als jetzt.

    Oftmals wird eben nur argumentiert, dass die Mwst ja nur verschenkt wird und somit kein Verlust entsteht. Das ist aber eben falsch, da Verlust in Höhe der Mwst der sonst gekauften Gebrauchtwagen/Neuwagen entsteht.


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