Danke!
Liebe Leser,
leider müssen wir euch mitteilen, dass wir unseren Blog zerobullshit.de bis
auf Weiteres stilllegen werden. Warum? Dafür gibt es eine kurze und eine
lange Antwort. Die Kurze lautet: Wir finden nicht mehr regelmäßig Zeit dafür.
Die etwas Längere: Paul und Julian sind beide erfolgreich ins Berufsleben gestartet und bei Kommunikationsagenturen gelandet – wie könnte es auch anders sein.
Jonas hat gerade sein Masterstudium in London begonnen und sieht auf der Insel nur noch "Land unter", zumindest was seine freie Zeit betrifft.
Wir bedauern diese Entscheidung sehr, haben es uns damit aber nicht leicht gemacht.
Wir bedanken uns bei all unseren Lesern, euch, die uns einen so erfolgreichen Start beschert haben.
Es hat Spaß gemacht, zuzusehen, wie unsere Leserschaft rapide wuchs, sich mit euch Diskussionen zu liefern und zu erleben, wie ihr unsere Worte bei Twitter weiter verbreitet habt.
Vielen Dank!
Paul
Julian
Jonas
P.S.: Sollte hier in Zukunft wieder etwas passieren, werdet ihr es über Twitter als Erste erfahren.
Das Zeitungssterben
Der Spott des Internets ist groß. Zeitungen werden von jungen Leuten als veraltete Flaggschiffe gesehen - gelesen von Leuten die zu altmodisch sind um mit dem Internet umzugehen. ComedyCentral parodiert die Vorwürfe auf eine geniale und unglaublich lustige Art und Weise.
| The Daily Show With Jon Stewart | Mon - Thurs 11p / 10c | |||
| End Times | ||||
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Natürlich verlieren die Zeitungen massiv Leser an das Internet. Aber natürlich hat auch eine Zeitung noch ihre Vorteile. Große Hintergrundberichte müssen nicht minutenaktuell sein - sondern gut recherchiert. Ein langer Text liest sich ausgedruckt immer noch besser als auf dem Bildschirm. Und trotzdem wird das Zeitungssterben weitergehen. Denn diese Vorteile alleine genügen nicht. eBooks werden langsam massenmarkttauglich und das Lesen auf einem solchen Gerät ist angenehm. Lange Berichte kann man dann theoretisch auch für solche Geräte schreiben. Und dann sind sie weg - die Vorteile der Zeitung. Sie wird dann nicht direkt aussterben aber ihr Tod wird kommen .. schleichend. Das eBook kann man zwar sicher auch in 20 Jahren noch nicht mit an den Pool nehmen - weil es dann wahrscheinlich direkt gestohlen wird - aber Disketten konnten auch nicht zerkratzt werden. CDs schon. Gebracht hat es den Disketten nichts - denn die Vorteile überwiegen.
Chinas Rechnung mit der Niere

Organhandel in China - (K)ein religiöses Phänomen?
Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International gehen davon aus, dass China für rund 70% der weltweiten jährlichen Hinrichtungen aufkommt. Und die Dunkelziffer soll noch weitaus höher liegen. In absoluten Zahlen sind das jährlich mehrere tausend Menschen.
Vor zwei Wochen hat das chinesische Gesundheitsministerium nun erstmalig offiziell zugegeben, was vielen unlängst schon bekannt war: 2/3 aller in der Volksrepublik China transplantierter Spendeorgane stammen demnach von exekutierten Kriminellen, wie die „China Daily“ diesen August berichtete. Die tatsächliche Quote soll Schätzungen zu Folge bei über 90% liegen.
Seit Jahren floriert in China der Schwarzhandel mit Organen, die für viel Geld auch an Interessenten im nahe gelegenen Ausland (Korea, Japan) oder etwas entfernter (Kanada, USA) verkauft werden.
Jährlich warten 1,5 Millionen Chinesen auf eine Organtransplantation. Aber in den letzten sechs Jahren haben sich laut offiziellen Angaben nur 130 Chinesen als freiwillige Spender registrieren lassen. Das entspricht rund 0,0000001% der Bevölkerung.
Legt man die zeitliche Kurve von Exekutionen und die von Transplantationen in China übereinander, verschmelzen diese fast zu einer gemeinsamen Linie. Mathematiker sprechen in diesem Fall von Deckungsgleichheit. "Hinrichtung auf Bestellung", wie Cicero kommentierte. Dabei spricht sich die Kommunistische Partei Chinas offiziell nur für solche Organspenden aus, die auch auf Freiwilligkeit basieren. Und das kann schließlich auch bei Kriminellen der Fall sein. Man kann auch argumentieren, dass durch diese Praktik immerhin das Leben von knapp 10.000 Menschen jährlich gerettet oder zumindest erleichtert wird. Selbst bei diesen Zahlen stehen jeder Transplantation, 149 nicht-realisierbare Transplantationen gegenüber.
Aber tatsächlich würden diese beiden Linien wahrscheinlich eine regelmäßige Reihe von Ausschlägen aufweisen, denn in China gibt es mehr Transplantationen als Exekutionen. Woher die übrigen Organe stammen, ist spätestens seit dem Enthüllungsreport eines chinesischen Journalisten vor drei Jahren deutlich geworden. Hier ein Auszug von der IFJC:
Konzentrationslager mit 6.000 Falun Gong-Praktizierenden
Herr Yuan hält die von einem chinesischen Journalisten dieser Tage enthüllte Existenz eines geheimen Konzentrationslagers in Sujiatun für durchaus glaubwürdig. Der Journalist, der seine Identität im Moment noch nicht preisgeben möchte, war in China gefangen genommen worden, konnte aber nach Japan fliehen und setzte sich von dort aus in die USA ab. Dieser Mr. R., wie wir ihn jetzt nennen wollen, sagte in einem Interview, dass sich in dem KZ in Sujiatun bei Shenyang über 6.000 Falun Gong-Praktizierende befinden und ihre Organe zum Verkauf entnommen würden.
Mr. R. und seine Informanten haben dieses Konzentrationslager mehrere Tage lang beobachtet. In diesem geheimen KZ leben viele Ärzte und es gäbe dort einen Verbrennungsofen, aus dem häufig weißer Rauch aufsteigt. „Sie können sich selber vorstellen, wozu dieses KZ dient. Letztendlich werden Falun Gong-Praktizierende wegen ihrer Organe getötet, die dann an die verschiedenen medizinischen Einrichtungen geschickt werden“, sagte der Journalist zu unserer Zeitung Epoch Times in den USA.
„Die Millionenstadt Shenyang liegt nicht weit entfernt von der Grenze zum kommunistischen Nordkorea. Beamte der Arbeitslager und Gefängnisse in Shenyang sind häufig über die Grenze gegangen, um Arbeitslager in Nordkorea zu besichtigen und Erfahrungen von Nordkorea zu sammeln.“, sagte Mr. R.
Dazu muss man wissen, dass die Bewegung der Falun Gong von der KP Chinas als große Gefahr angesehen wird. Die Falun Gong-Bewegung, die vor ihrem Verbot vor einigen Jahren in China fast doppelt so viele Mitglieder wie die KP besaß (ca. 110 Mio. Falun Gong vs. 60 Millionen KP Anhänger), wurde dadurch zum politischen Feind. Die Verschleppung ihrer Mitglieder durch lokale Militärs in Zusammenarbeit mit Justizbeamten und Ärzten aus den Provinzen, wird, wenn nicht offiziell befohlen, dann doch wenigstens geduldet. Der nicht-politisch motivierte Teil der Geschichte ist einfach: organisiertes Verbrechen mit Organraub und Mord sorgen im industriellen Maßstab für massig Kohle für alle Beteiligten (die kurzfristige Transplantation einer Niere kann schon mal mit 100.000 $US vergütet werden).
Berichten nach zu urteilen, soll sich die Situation seit den Enthüllungen 2006 verbessert haben. Das Rote Kreuz will nun enger mit der Regierung in Peking zusammenarbeiten, um eine geregelte und freiwillige Organspende-Infrastruktur aufzubauen. Aber dies wird Jahre dauern. Und während viele Gründe dagegen sprechen, sich freiwillig die Organe in China entnehmen zu lassen (mangelnde Hygiene, fehlendes Vertrauen in das staatliche Gesundheitssystem, starke Abhängigkeit der Landbevölkerung von der eigenen Gesundheit), gibt es einen sehr viel schwerwiegenderen Grund, mit dem auch das Rote Kreuz zu kämpfen haben wird: Im konfuzianischen Glauben soll der Körper eines Toten aus Achtung vor den Vorfahren unversehrt bleiben - weshalb die meisten Chinesen eine Organspende verweigern. (js)
Wer das Thema spannend findet, hier weiterführende Artikel...
Frankfurter Rundschau: Die Niere vom Henker
Spiegel: Zwei von drei Spenderorganen stammen von Hingerichteten
Cicero: Hinrichtung auf Bestellung
Internationale Föderation für Gerechtigkeit in China: Konzentrationslager und Organhandel in China aufgedeckt
Musiker warnen vor Rock Band
Rolling Stones´ Bill Wyman und Pink Floyd’s Nick Mason stehen dem aktuellen Trend zu Musikspielen eher kritisch gegenüber und warnen, dass die Leute nicht mehr lernen, wie man echte Instrumente bedient.
“Es ermutigt die Kinder nicht gerade zum lernen, das ist das Desaster”, so Wyman. “Es führt dazu, dass immer weniger Leute engagiert sind, ein Instrument richtig zu erlernen. Ich denke das ist wirklich schade und so bin ich nicht wirklich scharf auf solche Sachen.”
Mason beschreibt Spiele wie “Rock Band” und “Guitar Hero” als “interessante neue Entwicklungen”, fügt aber hinzu: “Es ärgert mich, meine Kinder dabei zuzusehen. Wenn sie mit ihren Gitarren-Übungen die selbe Zeit verbringen würden wie mit dem Erlernen der richtigen Tastenkombinationen, wären sie jetzt verdammt gut.”
Alles klar. Das ist jedoch nur die eine Seite der Argumentationskette. Bei diesen Spielen geht es im großen Teil darum schnell Spaß zu haben um beispielsweise mit Freunden auf Partys eine Runde zu spielen. Sicherlich gibt es auch viele Spieler, die sonst oft diese Games anwerfen. Aber das sind auch oft Leute die vorher wahrscheinlich gar keine Verbindung zu einem Instrument und Musik machen hatten. Sie werden so also überhaupt erst auf die Idee gebracht Musik zu machen. Von der Tatsache, dass ein richtiges Instrument deutlich teurer ist ganz zu Schweigen.
Noch lustiger ist jedoch, dass die Roling Stones selbst für Guitar Hero ihre Lieder zur Verfügung stellen. Das haben sie sicherlich nicht selbst entschieden, aber wenn sie so dagegen wären sollte man das wohl lieber bleiben lassen und den Jugendlichen Songtextbücher verkaufen. Nur die will wohl keiner .. (pb)
Quelle: http://www.play3.de/2009/09/08/musiker-warnen-vor-guitar-hero-rock-band-und-co/
Mach’s mit(!) Hitler im Bett
Hilfsorganisationen und gemeinnützige Projekte haben es in unserer egoistischen Konsumgesellschaft nicht leicht. Daher greifen immer mehr Organisationen zu drastischen Kampagnen.
So wie auch der Regenbogen e.V., der zu den Themen AIDS und HIV aufklärt.

Shock-Motive von Regenbogen e.V.
Aids ist ein Massenmörder lautet das Thema der bald startenden Kampagne. Dort wo Dienstleister, Handelsmarken und Unternehmen eine Grenze ziehen, legen NGOs erst richtig los. Regeln werden bewusst gebrochen, der gute Geschmack wird mit Füßen getreten, es wird mit Angst und Schrecken geworben – natürlich alles im Auftrag für den guten Zweck.
Sex-Szenen mit Saddam, Hitler oder Stalin...
...wo sollte Schluss sein? Darf man um jeden Preis provozieren? Ist jedes Mittel recht? (jsb)
edit: Auch Spiegel Online hat sich mit einem ähnlichen Titel der Thematik angenommen.
Microsoft lässt sich Zwangswerbung patentieren
Was ist der Unterschied zwischen einem Computer und dem Menschen? – Wir Menschen können Captchas (Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart) lesen.

Beispiele für Captchas
Das ist zumindest die Argumentation, die uns diese nervigen Abfragen bei Formularen im Internet beschert.
Als wäre dies aber nicht schon anstrengend und umständlich genug, so hat Microsoft am 13. August einen Patentantrag gestellt, um sich ein neue Art von Captachs schützen zu lassen:
“An arrangement for providing advertisement-based ("ad-based") HIPs (human interactive proofs) is realized by using an advertisement as the basis of a HIP challenge that is readily solved by a user but is difficult for a computer-based application to solve. Users are accustomed to advertisements and can generally understand the content or message being delivered by them. But the typically complex mixture of graphics, colors, logos, texture, transparency, text, and other elements that may be utilized in a graphical advertisement provides the basis for an ad-based HIP challenge that is difficult to solve by a computer. In another illustrative example, audio comprising a slogan, musical jingle or ditty, spoken words, or other sounds (or combinations thereof) is used to convey an advertising message, while also providing the basis for an audio ad-based HIP.”
In Zukunft könnte ein Captcha (oder HIP wie es bei Microsoft heißt) also folgendermaßen funktionieren:
Bitte vervollständigen Sie:
REAL. Einmal hin, alles ____.
Oder auch
BMW. ______ am Fahren.
Es wäre auch möglich kurze Werbe-Videos, Anzeigen oder Tonspuren einzublenden und der Nutzer muss anschließend den Markennamen nennen. Welche Varianten auch immer umgesetzt werden, sie alle erfordern auf eine penetrante Weise, dass sich der Nutzer mit Werbung auseinander setzt. Daran führt für den Menschen kein Weg vorbei. Dies gilt jedoch nicht für einen Computer, der ein solches Formular ausfüllt. Der bekannte Vorteil war bisher, dass Computer Captchas (in den meisten Fällen) nicht entschlüsseln konnten. Zweifelsfrei werden diese Computer auch keine Werbebotschaften auswerten oder vervollständigen können.
Die Möglichkeit besteht, dass Gegner dieser HIPs die Lösung zu jedem einzelnen HIP den Computern beibringen.
Die Anzahl an herkömmlichen Captchas ist unbegrenzt, werden diese doch von Computern generiert. Die HIPs von Microsoft wird es jedoch nur in begrenzter Anzahl geben können, so dass man all ihre Lösungen den Computern zur Verfügung stellen könnte. Denn während Ziffern- und Buchstabenkolonnen in endloser Zahl von Computern erstellt werden können, ist auch für die dümmste Werbung immer noch der Mensch verantwortlich. (jsb)
Der Betroffene
Frank Schirrmacher, angesehener Journalist und Mitherausgeber der FAZ, bekannte sich dieser Tage in einem offenen Bekennerschreiben zu jener Nacht im Bundeskanzleramt. „Ich war auf Ackermanns Party“, ließ er offenkundig verlautbaren.
Schirrmacher berichtet dabei in fast penibler Art und Weise von dem Essen, den Gästen, den Gesprächsthemen an jenem viel beachteten Abend unter der Créme de la Créme Deutschlands, dass es ans Groteske heranreicht.
Ich glaube, kann es aber nicht beschwören, dass es Spargel gab.
Immer wieder mimt er dabei den Schuldbewussten, den zutiefst peinlich Berührten:
Frau Merkel moderierte das Gespräch. Auch hier versagt mein Gedächtnis für alle Details. Wir befanden uns vor der Krise.
Nur um zum Ende seiner gespielten Karthasis, alles ins Lächerliche zu verkehren:
Hätte ich gewusst, dass es nötig werden würde, ich hätte mir Notizen angelegt. Ich kann zu meiner Entschuldigung nur sagen, dass ich ähnliche Geburtstagsessen auch schon beim Bundespräsidenten erlebt habe…
Auch das wird mir nichts helfen. Ich weiß es. Aber man möge in meinem Fehlverhalten auch eine Chance sehen. Wer wird sich jetzt noch von der Bundeskanzlerin einladen lassen?
Das Bekenntnis ist ein Aufschrei von Schirrmacher, der die Mediendebatte über eben jenen Abend anscheinend selbst grotesk und sinnentleert findet.
Doch als Mitherausgeber der FAZ, in dessen Rolle Schirrmacher hier schreibt, gehört es sich da, seine Leser und alle ehrlichen deutschen Steuerzahler - die vielleicht noch nicht persönlich von der Bundeskanzlerin zur Party ins Bundeskanzleramt auf Staatskosten eingeladen wurden - so für dumm zu verkaufen? (js)
Die Diskussion über staatlichen Journalismus trifft auf der Insel ein
Jetzt ist sie auch in GB angekommen: Die Diskussion darüber, ob gebührenfinanzierter Online-Journalismus okay ist oder nicht. Murdoch hat am Samstag öffentlich die BBC angegriffen. Und so kann es gut sein, dass auch in Deutschland die Diskussion wieder beginnt.
Die Standpunkte sind klar:
Die privaten Anbieter sind gegen den Aufbau von staatlich finanzierten journalistischen Angeboten im Web. Das umfasst sowohl eine gebührenfinanzierte Mediathek, wie auch durch Gebühren finanzierten Online-Journalismus. Die Begrüngung: Das mache den Markt kaputt. Und ganz unrecht haben sie nicht: Denn im Gegensatz zum TV- und Radiomarkt reichen die Werbeeinahmen online scheinbar nicht aus um eine Webangebot zu finanzieren. Wenn die Inhalte dann kostenpflichtig werden, so die Befürchtung, so werden die Leser zu anderen kostenlosen Onlineangeboten abspringen. Selbst wenn alle Medienhäuser online Geld verlangen: Die ARD darf das nicht. Und so gäbe es noch genügend kostenfreie journalistische Angebote im Netz.
Die ÖR kämpfen für den freien Journalismus im Netz. Begründet wird das mit der hohen Qualität die sie bieten können. Auch möchten ARD und ZDF die junge Zielgruppe wieder ansprechen.
Dabei geht es bei der Diskussion eigentlich um eine Grundsatzfrage, die es zu klären gilt:
Was ist wichtiger: Die Marktwirtschaft oder qualitativ hochwertiger und kostenloser Internet-Journalismus?
Entscheidet man sich für die Marktwirtschaft so heißt das: Kein ARD und ZDF (oder BBC) online. Eigentlich dürfte es gar keine ÖR-Sender geben - denn sie greifen mit ihren Gebühren unfair in den Markt ein. Andererseits haben nur Sie die Möglichkeit qualitativ hochwertigen und kostenlosen Online-Journalismus anzubieten. Über die Qualität von SpiegelOnline und anderen Auftritten gibt es zur Zeit viel Kritik (SPIEGELblog, BILDblog, Stefan Niggemeier, ... ). Die Qualität lässt spürbar nach und mit festen Abonnenten wären die Seiten wohl auf einen besseren Journalismus angewiesen (da sie diesen sonst nicht halten oder gar nicht erst gewinnen können).
Diese Frage gilt es also zu klären. Wenn Sie beantwortet ist, beantworten sich damit alle Fragen, die sich um dieses Thema drehen, von selbst. Eine Antwort auf die Frage habe ich allerdings nicht. Sie hat aktuell niemand - und das ist das eigentliche Problem. (pb)
Update: Jan weißt darauf hin, dass auch der Journalismus im Internet nicht kostenlos ist. Schließlich zahlen wir (fast) alle GEZ-Gebühren. An dem Inhalt ändert das jedoch nichts, denn durch die Onlineberichterstattung ändern sich die Gebühren die wir zahlen nicht. Insofern sind damit, im Gegensatz zu eventuellen Bezahlinhalten, keine Zusatzkosten verbunden.
Business Punk – Das Magazin für psychotische Karrieristen
Wenn Patrick Bateman, der charismatische Protagonist aus American Psycho, der Frauen am liebsten in kleinen Stücken mochte, eine Zeitschrift abonniert hätte, dann wäre es (wenn es denn nach Gruner + Jahr ginge) wohl das neue Magazin Business Punk gewesen. Blöderweise erscheint es dafür mehr als 25 Jahre zu spät.

Quelle: Kress.de
Also musste es sich eine neue, zeitgemäße Zielgruppe suchen: „Die Leistungselite der Generation Xing“ wurde ausgemacht. Männer zwischen Mitte Zwanzig und Ende Dreißig, die für ihren Beruf brennen und in ihrer Freizeit die Extreme suchen – ganz wie der Untertitel der Zeitschrift „Work hard, Play hard“ vorgibt. Menschen, die sich von ihrer Umwelt nicht verstanden fühlen, denen die Gesellschaft nicht für ihren Beitrag dankt. Menschen, die nach einer Zuflucht suchen, nach Gleichgesinnten, nach einer Oase der akzeptierten amoralischen Opulenz.
Allerdings mag ich den Sinn und Erfolg des Magazins bezweifeln. Warum, das verrät der Titel des Magazins selbst. Denn Wikipedia erklärt „Punk“ wie folgt:
Das Wort Punk /pʌŋk/ […] bezeichnet allgemein etwas Niedriges, Minderwertiges, also Unsinn; auf Personen bezogen Anfänger, unerfahrene Person, Strolch, Kleinkrimineller, Landstreicher oder gar Abschaum, Dreck.
Und so würde die Zeitschrift selbst wahrscheinlich eher diejenigen anlocken, die sich gern zu dieser Xing-Elite zählen würden, die davon träumen, mit einer Yacht an der Côte D’azur anzulegen oder ein Mal mit Michael Schumacher Fußball zu spielen. Um diese Zielgruppe zu erreichen, ist der Preis von 6 Euro jedoch zu hoch. Auch dürfte es schwieriger werden, bei dieser Leserschaft die avisierten Anzeigenkunden zu gewinnen.
Mit Themen wie "Die Karriere ist wie ein Fußballspiel. Manchmal sind taktische Fouls unerlässlich" und "Mythos der sexy Sekretärin" werden die wahren High Performer aber wohl kaum erreicht werden. Warum sollten jene auch über diese Themen lesen, wenn ihnen jeden Morgen der Kaffe in High Heels von Beinen bis zum Himmel serviert wird und sie mit ausgefahrenen Ellenbogen in jedes Meeting gehen?
Doch bevor ich hier in eine Tirade verfalle, ende ich mit Bateman: ich muss noch einige Videos zurückbringen… (jsb)
Ruperts letzte Worte…

7 Tage ist es jetzt her. Vor genau einer Woche feierte der wahrscheinlich einflussreichste Medienmanager der Gegenwart seinen 78. Geburtstag. Dazu erstmal, herzlichen Glückwunsch!
Nur ein Problem bleibt weiterhin bestehen: Der milliardenschwere Medienmogul sitzt noch immer seiner News Corporation vor und denkt überhaupt nicht ans Abdanken. Rente mit 67...? Lächerlich, wird sich Rupert Murdoch im Stillen denken und managed fröhlich weiter. Doch damit steht er nicht allein.
Das selbe Dilemma durchdringt dabei so akut wie kaum ein anderes Thema unsere heutige Wirtschaftswelt - das Dilemma vom "ewigen Patriarchen". Und in den seltensten Fällen treffen wir diese Patriarchen bei den großen multinationalen Unternehmen an, sondern viel öfter im so oft vergessenen Mittelstand. Der Mittelstand, das sind in Deutschland 99,7 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen. Und allein im europäischen Wirtschaftsraum existieren etwa 20 Millionen Kleinstbetriebe, kleine und mittelgroße Unternehmen (KMU).
Aus den Trümmern des zweiten Weltkrieges erwuchs eine neue Riege an Unternehmern empor, die gewissermaßen historisch einmalige Zustände vorfand. Viele unter ihnen, die mit nicht mehr als einer Hand voll Erde begonnen haben und sich in den 50er und 60er Jahren an den Wiederaufbau des eigenen Landes machten. Jene unter ihnen, die in dieser Zeit erfolgreich waren, haben ihre Unternehmen bis heute über Jahrzehnte hinweg oft zu Spitzenreitern ihrer Nische entwickelt. Eben just zu dieser Generation von Unternehmen gehört Rupert Murdoch, und mit ihm eine ganze Generation.
Und all diese "ewigen Patriarchen" stehen vor dem selben Problem: Sie finden keine "adäquate" Nachfolge.
1.) Weil in ihren Augen sowieso niemand gut genug für ihr Unternehmen ist und
2.) Weil diese Unternehmer, oft seit über 40 Jahren, eine Liebesgeschichte zu ihrem Baby aufgebaut haben. Und wer würde sich schon freiwillig von solch einer beständigen Liebschaft verabschieden?
Der Fall Rupert ist also exemplarisch. Und ein ernsthaftes Problem für jede Wirtschaft. (js)
Einen guten Artikel zur Nachfolgeproblematik von Rupert Murdoch findet ihr hier: Neue Zürcher Zeitung
